Über uns
Wie an jedem Morgen steigt auch an diesem der Anwalt Peter Benenson in die Londoner U-Bahn, um in seine Kanzlei zu fahren. Unterwegs schlägt er den „Daily Telegraph“ auf. Sicherlich ist es kein ausführlicher Artikel, sondern eher eine kurze Meldung, auf die er beim Blättern stößt. In Lissabon, so liest er, sind zwei Studenten verurteilt worden, weil sie in einem Restaurant deutlich hörbar auf die Freiheit angestoßen haben. Benenson geht der Bericht aus Lissabon nicht aus dem Kopf. Er will nicht länger dazu schweigen, endlich etwas tun! Der Anwalt entwirft Konzepte und verwirft sie wieder, berät sich mit Freunden und Kollegen und verfasst schließlich einen Artikel für die Wochenzeitung „Observer“, der am 28. Mai 1961 unter dem Titel „The Forgotten Prisoners“ erscheint. Das Echo ist ungewöhnlich groß. Dreißig Zeitungen drucken Benensons Appell nach und Amnesty International nimmt ihren Anfang.
Ende Juni 1961 kam Eric Baker, ein Mitstreiter Benensons, an den Rhein nach Köln, um für die neue Organisation zu werben. Er hörte von einem Sommerfest Kölner Journalisten und erschien dort abends gegen zehn Uhr. Gerd Ruge und Carola Stern setzten sich mit ihm zusammen und ließen sich von dem Plan berichten, Verletzungen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in der Öffentlichkeit nachdrücklich bekannt zu machen und in einzelnen Gruppen auf die Freilassung von gewaltlosen politischen Gefangenen hinzuwirken. Die Idee überzeugte, und die beiden Journalisten versprachen, eine solche Organisation für politische Gefangene auch in der Bundesrepublik zu gründen. Die ersten Jahre waren nicht leicht. Die Eintragung in das Kölner Vereinsregister im August 1961 erfolgte wenige Tage vor dem Mauerbau, einem neuen Höhepunkt des Kalten Kriegs. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte war weithin unbekannt.
Ziel von Amnesty International ist es, eine Welt zu schaffen, in der alle Menschen die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und anderen internationalen Menschenrechtsinstrumenten fest geschriebenen Rechte genießen. Für diese Arbeit erhielt Amnesty International 1977 den Friedensnobelpreis. Amnesty International ist eine von Regierungen, politischen Parteien, Ideologien, Wirtschaftsinteressen und Religionen unabhängige Organisation mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern in über 150 Ländern.
Amnesty International Köln ist der älteste Bezirk der deutschen Sektion. Bereits drei Monate nachdem die internationale Organisation in London ihre Arbeit aufgenommen hatte, gründeten Carola Stern († 2006), Gerd Ruge, Felix Rexhausen und andere in Köln die damals noch bundesdeutsche Sektion. Von Gummersbach im Osten bis Erftstadt im Westen und Gerolstein im Süden sind bei Amnesty International Köln mehr als 1000 Menschen ehrenamtlich in den etwa 30 Gruppen und Arbeitskreisen, als einzelne Mitglieder im Bezirk sowie als Förderinnen und Förderer aktiv. Ein Herzstück ihrer Arbeit ist der Einsatz für Einzelpersonen. Jährlich werden von den Kölner Mitgliedern einige tausend Eilappelle per Post, Fax, E-Mail und Telegramm an Regierungen und Botschaften in aller Welt versandt.
